Der WM-Zug rollt ohne Sachsens Schwimmer an
   

Die sächsischen Schwimm-Asse beißen sich bei den Deutschen Meisterschaften in Hamburg an den WM-Normen die Zähne aus. Die größten Chancen, gleich zum Auftakt das Ticket für Barcelona zu lösen, besaß gestern Sebastian Halgasch vom SC Riesa, der im Vorfeld starke Zeiten geschwommen war. Doch auf seiner Paradestrecke 200 m Rücken reichte es für den Dresdner nur zu Platz vier. Seine Klubkollegen Jens Kruppa und René Kolonko hatten als Siebter und Achter nichts mit dem Ausgang des 100-m-Brust-Finales zu tun. Und auch der Leipziger Stefan Herbst (SSV Leutzsch) startete wenig verheißungsvoll in die Titelkämpfe: Auf der Nebenstrecke 50 m Freistil verpasste er in 23,67 s als Elfter um knapp zwei Zehntel das Finale.

So blieb die Silbermedaille von Toni Franz (SC DHfK) der große Lichtblick. Der 20-Jährige strahlte nach seinem zweiten Platz auf den nichtolympischen 800 m Freistil, wo er seine Bestleistung um neun Sekunden auf 8:10,87 min steigerte: "Das war mein bislang bestes Rennen. Ich wollte eine Medaille, Silber ist fantastisch. So weit vorn bin ich noch nie gelandet, auch nicht bei den Junioren."

Der Schützling von Eva Herbst kam 13 Sekunden hinter Sieger Thomas Lurz (Würzburg) ins Ziel und blieb rund 15 Sekunden über der WM-Norm. Doch Zeiten unter acht Minuten sind für den Medizinstudenten (noch) kein Thema. Toni Franz schwamm taktisch klug, lag anfangs auf Rang vier und sprintete mit einem starken Endspurt (59 Sekunden für die letzten zwei Bahnen) zu Silber - sehr zur Freude der Trainerin. "Ich wusste immer, dass Toni mehr kann. Deshalb hat es mich in den letzten Jahren stets geärgert, wenn es nicht ganz geklappt hat", so Eva Herbst.

Der DHfK-Mann schwamm endlich einmal befreit auf, obwohl er sich aufgrund des Studiums nicht optimal auf die langen Kanten vorbereiten konnte. "Ich komme kaum noch zwei Mal täglich ins Wasser. Dennoch nehme ich beides ernst: Studium und Schwimmen. Der Sport ist ideal zum Abschalten", so der Trainingspartner von Stefan Herbst.

Etwas geknickt saß der Ex-Leipziger Sebastian Halgasch nach seinem Rennen da. "Ich wollte unter zwei Minuten schwimmen, die Trainingsleistungen ließen das auch erhoffen. Ich wollte auf der letzten Bahn attackieren, aber ich war schon zu platt", sagte der 22-Jährige, der seit zwei Jahren bei Uwe Neumann trainiert. Mit 2:01,57 min war Halgasch schneller als bei seinem Titelgewinn 1999, doch inzwischen ist die deutsche Spitze (Steffen Driesen aus Uerdingen siegte in 2:00,10) etwas enteilt, die Weltelite gar um Längen.

Im Hinblick auf Olympia beschleichen ihn nun Zukunftsängste: "Im Juli beende ich meine Ausbildung als Bürokaufmann. Wenn ich keinen Arbeitgeber finde, der mir die Freiräume fürs Training gibt, kann ganz schnell Schluss sein." Auch eine Rückkehr zur Bundeswehr kann sich "Halli" vorstellen, aber dafür müsste er in Hamburg wohl noch etwas anbieten. Dass der Weggang von OBM Wolfram Köhler zur Staatsregierung nach Dresden die Situation für die Riesaer Schwimmer beeinträchtigt, glaubt Halgasch nicht: "Er wird weiter seine Hand über uns halten."

Frank Schober, Hamburg





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