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Von Uwe Wicher, Berlin
Von den Sportseiten der Berliner Sonntagszeitungen strahlte das Gesicht
eines jungen Mädchens gestern die Leser an. Nadine Pastor war das begehrte
Objekt der Fotografen, immer lächelnd und meistens mit einer Medaille
zwischen den Zähnen. Die 17-jährige Chemnitzerin hatte bei den Schwimm-Europameisterschaften
am Sonnabend für eine Sensation gesorgt, als sie über 5 km auf dem Templiner
See bei Potsdam den dritten Platz erreichte. „Was soll ich dazu sagen?
Ich bin überglücklich und weiß nicht, wo ich die Kraft hergenommen habe“,
sagte die Elftklässlerin aus dem Sportgymnasium.
Nicht sprachlos, aber überrascht wie lange nicht war Nadines Heimtrainerin
Ute Schinkitz, die schon Rücken-Star Stev Theloke in die Weltspitze
führte. „Mit Platz sechs wären wir sehr zufrieden gewesen, und schlechter
als Zehnte sollte sie nicht werden“, erläuterte die Trainerin die Vorgabe
für Nadine Pastors ersten Start bei einer internationalen Meisterschaft.
Doch dann kraulte die in Lichtenstein bei Zwickau geborene Schülerin
mit schier unerschöpflicher Energie in der Spitze des Feldes mit. Als
sich nur noch ein Septett im Finish um die Medaillen bemühte, konnte
die diesjährige deutsche Meisterin über diese Sprintdistanz der Langstreckler
noch mal Kraftreserven freisetzen, die man der 1,70 m großen und 58
kg leichten Sportlerin nicht zutraut. „Ich hatte Glück, dass im Schlussspurt
die anderen sich im Gedränge geprügelt haben, ich aber eine günstige
Linie gefunden hatte, auf der ich ungestört vorwärts kam“, erzählte
Nadine Pastor, die damit auch die Qualifikation für die Weltmeisterschaft
Ende August in Ägypten im Roten Meer schaffte.
Der Wechsel der Chemnitzerin vom Schwimmbecken ins Freiwasser begann
erst voriges Jahr. Da belegte sie bei den deutschen Meisterschaften
auf Anhieb Platz drei über fünf Kilometer. „Im Becken kam Nadine nicht
recht voran, und da sie lange ein gleichbleibendes Tempo schwimmen kann,
sahen wir im Freiwasser eine neue Herausforderung“, sagte Ute Schinkitz.
Sie setzte sich mit ihrem Rostocker Kollegen Christian Bartsch in Verbindung,
und der Trainer von Peggy Büchse und Britta Kamrau schrieb für Nadine
die Übungsprogramme.
„Ich habe in Chemnitz nur noch die Ausführung kontrolliert“, meinte
Schinkitz, die sich mit Bartsch zudem einig ist, dass der neue aufstrebende
Chemnitzer Schwimm-Star in seiner Heimat bleibt. „Sie hat im Sportgymnasium
hervorragende Bedingungen, um Schule und Training miteinander zu verbinden“,
erklärte die Trainerin. Nur vier Stunden Unterricht am Tag und deshalb
das Abitur erst nach drei Jahren, da ist auch das umfangreiche Schwimmtraining
über sechs bis zehn Kilometer pro Einheit zu verkraften. „Nadine ist
ohnehin sehr willensstark und ehrgeizig. Sie hat sich auch nicht beeindrucken
lassen, als anfangs aus der Trainingsgruppe einige blöde Bemerkungen
kamen, weil sie immer länger im Becken bleiben musste“, erzählte Ute
Schinkitz.
Am Sonnabend in Potsdam gehörte nun sogar Stev Theloke zu Nadines Betreuern,
half mit Massagen und beruhigenden Worten vor dem Start. In den nächsten
Tagen wird sich die Bronze-Gewinnerin revanchieren. Sie kommt nach Berlin,
um „Theo“ bei seiner Medaillenjagd zu unterstützen.
Sächsischer
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