Von Uwe Wicher
Heißer als es die 30 Grad Celsius an einer elektronischen Tafel anzeigten,
war es gestern in der Riesaer Erdgas Arena. Dafür sorgten vier junge
Männer aus der deutschen Schwimm-Nationalmannschaft, die zum Abschluss
des ersten Tages der 6. Kurzbahn-EM die Zuschauer begeisterten. Stev
Theloke (Chemnitz), Jens Kruppa (Riesa), Thomas Rupprath (Wuppertal)
und Carsten Dehmlow (Hamburg) schwammen über 4 x 50 m Lagen nicht
nur der Konkurrenz auf und davon, sondern auch zu einem neuen Weltrekord
von 1:34,72. Damit verbesserte das goldene Quartett die bisherige
Bestmarke um sechs Hundertstelsekunden. Klar, dass nach diesem glanzvollen
Start-Ziel-Sieg die deutschen Staffelhelden bestens gelaunt waren.
„Ich glaube nicht, dass ich schon mal so gut eine Staffel angeschwommen
habe“, meinte Rücken-As Theloke, der auf den ersten 50 Metern schon
einen Vorsprung herausholte. „Es ist ganz wichtig bei internationalen
Meisterschaften, dass im ersten Finale alles nach Wunsch läuft. Das
gibt einen Schub für die nächsten Tage“, erzählte „Theo“ über die
besondere Bedeutung einer Staffelentscheidung. Sowohl bei seinem Nachfolger
auf der Brustdistanz, Jens Kruppa, als auch dem an dritter Stelle
schwimmenden Thomas Rupprath fielen die mit großem Risiko vollzogenen
Wechsel auf. „Anders geht es nicht, wenn du gewinnen willst“, erklärte
Kruppa, der eine reichliche halbe Stunde zuvor ein schweres 200-m-Lagenfinale
als Vierter beendete. „Unmittelbar nach dem Lagenrennen ging es mir
zwar schlecht, doch eine Flasche Cola hat mich wieder aufgerichtet“,
schilderte der 26-jährige gebürtige Freitaler seinen Zeitvertreib
zwischen den beiden Endläufen.
Als deutscher Meister von Goslar vor zwei Wochen war Kruppa für die
Staffel gesetzt. Doch gestern Vormittag, so gestand er, hatte er sich
kurz Gedanken um seinen Platz im Quartett gemacht. Denn im Staffelvorlauf
war für Kruppa, der wegen des 200-m-Lageneinsatzes geschont werden
sollte, Mark Warnecke eingesetzt worden. Und der derzeit vereinslose
Essener bot mit 50,98 Sekunden eine ausgezeichnete Zeit über 50 m
Brust an. Aber auch Kruppa ließ im Finale nichts anbrennen, schickte
Rupprath ebenfalls mit Vorsprung auf den Schmetterlingsabschnitt.
„Wir hatten uns vorher zusammengesetzt und auch ausgerechnet, dass
wir den Weltrekord knacken könnten“, verriet er. Auch Rupprath hatte
schon ein schweres Rennen hinter sich, als er sich über 100 m Schmetterling
als Zweitschnellster der Halbfinals für den heutigen Endlauf qualifizierte.
Schluss-Schwimmer Carsten Dehmlow lag beim dritten Wechsel etwa vier
Sekunden vor den Verfolgern und zog scheinbar souverän bis zum Anschlag
durch. Doch der aus Berlin stammende Hamburger gestand nach dem Rennen,
dass ihm die Wende nach 25 Metern misslungen war. „Das ist nicht das
erste Mal und kann bei geringen Abständen schlimme Auswirkungen haben“,
sagte der 25-jährige BWL-Student. Seine Erklärung: „Wenn ich zu zeitig
wende, kann ich mich nicht mit ganzer Kraft abstoßen, verliere somit
Geschwindigkeit und komme aus dem Rhythmus.“ Für die Riesaer Organisatoren
erfüllte sich ihr größter Wunsch gleich am ersten Tag. „Ein Weltrekord
wäre hervorragend, denn bisher steht der Name unserer Stadt nur durch
einen Weltrekord des Gewichthebers Ronny Weller in den Annalen“, sagte
Oberbürgermeister Wolfram Köhler vor Beginn der Titelkämpfe. Auch
die Fans fühlten sich von den Schwimmern beschenkt. „Kling, Glöckchen,
klingeling“, sangen sie, als die Weltrekordstaffel zur Siegerehrung
aufgerufen wurde.
Sächsische Zeitung - Freitag, 13. Dezember 2002