Stev Theloke kommt zu spät „aus den Hufen“
Rupprath gewinnt hochklassiges Finale und freut sich auf die Kurzbahn-EM in Riesa

.

Von Uwe Wicher, Berlin

Theloke vor Rupprath oder Rupprath vor Theloke? Seit 1994 gibt es dieses Duell im Rückenschwimmen der höheren Qualität. Unentschieden würde es stehen, behaupteten gestern die beiden Kumpels.

In einem Europameisterschafts-Finale der Extraklasse über 50 m Rücken gewann diesmal Thomas Rupprath aus Neuss vor Stev Theloke aus Chemnitz. Der Abstand zwischen beiden war auf den ersten Blick kaum zu erkennen: 25,05 Sekunden zeigte die elektronische Uhr für Rupprath an, 25,12 für Theloke. Mit beiden Zeiten hätten die zwei deutschen Superschwimmer bei der vorjährigen WM in Fukuoka die Plätz eins und zwei belegt. Theloke gestand anschließend, dass er mit allerhand Respekt in das Rennen gegangen sei.

„Als Thomas im Vorlauf mir meinen Europarekord wegschnappte, habe ich die Ohren angelegt. Nach dem Halbfinale, als er dann seinen Europarekord nochmal verbesserte, habe ich die Ohren noch mehr angelegt“, schilderte der Sachse seine Gefühlslage vor dem Finale. Dass er dennoch persönliche Bestzeit geschwommen sei, stelle ihn sehr zufrieden. Nur der zweite Platz gefiel ihm nicht so richtig. „Ich sehe es mit einem weinenden und einem lachenden Auge“, meinte Theloke.

Gold verloren hat er beim Start, seiner Schwachstelle. Die Reaktionszeit beim Start betrug bei Rupprath 0,67 Sekunden, bei Theloke 0,81. Der Langsam-Starter nahm es mit Humor: „Ich bin mit zwei Metern der Längste unter den Finalisten, die so um die 1,80 liegen. Bei mir dauert es eben länger, bis der Startpfiff in den Zehen ankommt.“ Als er wieder aufgetaucht sei, habe er nur noch die Füße Rupprath gesehen. „Nichts wie hinterher, habe ich mir gesagt.“ Theloke holte zwar noch enorm auf, doch um noch Vorbeizuziehen, war die 50-m-Distanz zu kurz. Das wusste auch Thomas Rupprath: „Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, dass ich endlich einen Europameisterschafts-Titel auf der 50-m-Bahn gewonnen habe. Beim Anschlag war das Glück auf meiner Seite.“

Der 25-Jährige befürchtete trotz seiner überragenden Leistungen im Vorlauf und im Halbfinale, dass Theloke „wie so oft, wenn es darauf ankommt, aus den Hufen kommt“.

Sein Trainer Henning Lambertz sah seinem Schützling vor dem Rennen an, „dass bei Thomas die Nerven blank lagen“. Rupprath, der bisher nur auf Kurzbahnen alles gewonnen hat, was es für ihn zu gewinnen gab, hatte vor der EM nicht nur mit Nacktfotos in einem Magazin für Aufsehen gesorgt, sondern auch in sportlicher Hinsicht vieles versprochen. Wenn Rupprath jetzt noch über 100 m Schmetterling den angekündigten EM-Sieg landet, hat er dann auch in einer olympischen Einzeldisziplin einen internationalen Meistertitel in seinem Besitz und kann erhobenen Hauptes von dieser EM nach Hause fahren.

Dann würde es zwischen ihm und Theloke, der schon über 100 m Rücken gewann, wieder unentschieden stehen.

Sächsische Zeitung - Freitag, 2. August 2002





Sächsischer Schwimm-Verband e.V., Mainzer Straße 17, 04109 Leipzig
Telefon: +49 (341) 980 93 11 / Telefax: +49 (341) 980 93 13
© 1998-2006 Copyright by Webmaster