| Leipziger bringt
deutsches Quartett auf Titelkurs . |
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Berlin. Nichts gegen den Weltrekord der Damen. Doch der schönere Staffel-Titel des gestrigen Nachmittags war jener der deutschen Männer. Denn er kam überraschend und nach dramatischem Rennverlauf zustande. Und er setzte der fabelhaften Stimmung in der Europasporthalle die Krone auf. "Das ist ja fast wie in Sydney", verglich ein gerührter Stefan Herbst die Europameisterschafts-Atmosphäre mit der bei Olympia 2000. Einen großen Unterschied gab es: In Sydney wurde der Mann vom SSV Leutzsch Vierter, gestern errang er seinen ersten großen internationalen Titel - honoriert mit insgesamt 6000 Euro Prämie von Sporthilfe und Verband.
Stefan Herbst brachte das DSV-Quartett an zweiter Position schwimmend sogar auf Goldkurs. Mit der reinen Schwimmzeit von 48,63 Sekunden - so schnell kraulte der 24-Jährige noch nie - war er noch einmal achtHundertstel besser als am Vormittag, wo er sich erst für den Endlauf qualifizieren musste. Im Finale gewann er einen weiteren wichtigen Ausscheid: Er war deutlich schneller als der deutsche Meister Torsten Spanneberg (49,02), StefanKunzelmann (49,26) und Lars Conrad (49,34) und ist damit zurzeit erster Kandidat für die abschließende Lagenstaffel am Sonntag. Außerdem erreichte Herbst hinter den Weltklassekraulern Pieter van den Hoogenband (Niederlande) undLars Frölander (Schweden) die drittbeste Zeit aller 32 Staffelschwimmer.
"Ich bin bereits seit drei Wochen in Top-Form und hatte permanent Angst, dass ich die nicht bis zur EM halten kann", sagte Stefan Herbst. Doch auch in der Stunde des Triumphes vergaß er nicht, dass die Konkurrenz diesmal nicht so stark auftrumpfte. Die Russen traten gar nicht erst an, die Schweden enttäuschten, die Niederländer konnten den Ausfall ihres zweitbesten Mannes nicht kompensieren. "Unser Vorteil ist eben die Ausgeglichenheit", meinte der Leipziger.
Sportdirektor Ralf Beckmann sprach von einem "heimlichen Traum, der in Erfüllung gegangen ist". Bronze sei das Ziel gewesen. "Aber es gab weder Farbzwang noch wurde Jagdverbot ausgesprochen." Dass bei den Deutschen Meisterschaften kurz darüber diskutiert wurde, keine Männerstaffeln zu nominieren, ist nun vom Tisch.
"Ich habe den Jungs schon vorher gesagt, dass zur Weltmeisterschaft 2003 auf alle Fälle alle Staffeln fahren. Es ist seit 20 Jahren Tradition, dass unsere Staffeln über sich hinaus wachsen", so Beckmann, der jedoch noch eine andere große Aufgabe sieht: "Dieses Potenzial müssen wir jetzt in den Einzelstrecken noch stärker heraus kitzeln. Da wirkt der Druck für viele als zu starke Belastung."
Könnte StefanHerbst seine Staffelzeit ohne fliegenden Start im Einzel wiederholen, würde er etwa bei 49,4 Sekunden landen. Doch seine Bestzeit steht bei 50,15. Erst in der Euphorie des Team-Wettbewerbes zeigt sich eben, was wirklich möglich ist.
Frank Schober © Leipziger Volkszeitung vom Montag, 29. Juli 2002 Sächsischer
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