| Wirbel um DM-Vergabe:
Frust, Enttäuschung und ein Rücktritt |
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Trier/Leipzig. Die Fakten sind klar und kommen nicht überraschend: Zunächst sprach sich am Freitag das Präsidium des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) pro Hamburg und gegen Leipzig als Ausrichter der 115. Deutschen Meisterschaften im Mai 2003 aus. Dann folgte der Fachausschuss Schwimmen am Sonnabend in Trier, der sich mit 29:19 Stimmen für die Hansestadt festlegte. "Es war ein Doppelbeschluss", so Fachspartenchef Winfried Leopold, der die zweite Hälfte nicht mehr miterlebte. Zu Beginn der Tagung am Sonnabend erklärte er seinen Rücktritt - ohne Angabe von Gründen.
Damit hat eine "einfache" Meisterschaftsvergabe den DSV in die Schlagzeilen gebracht und mit Leopolds Rücktritt in seinen Grundfesten erschüttert. Der Rückzug des Beuchaers steht mit der DM-Vergabe im Zusammenhang, die von Präsidentin Christa Thiel genannte Begründung ("Wir wollten neben der Kurzbahn-EM in Riesa keine zweite Top-Veranstaltungen in die selbe Olympiabewerber-Region vergeben") ist zu hinterfragen. "Ich lass' mich nicht mehr verbiegen", soll Leopold nach schlafloser Nacht am Sonnabend erklärt haben.
Gestern wies er auf einen Widerspruch in den DSV-Statuten hin: Einerseits sei die Fachsparte Schwimmen eigenständig (beispielsweise bei einer DM-Vergabe), andererseits müsse das Präsidium bei Verträgen (beispielsweise mit einem DM-Ausrichter) eingeschaltet werden. Damit saß der 62-Jährige mehrfach zwischen den Stühlen. Nachdem der Sächsische Schwimm-Verband (SSV) am 8. Oktober auf die Ausrichtung verzichtet hatte und der Postschwimmverein Leipzig nun neuerlich gegen Hamburg antreten musste, kommentierte Leopold die DM-Vergabe so: "Die viele Arbeit in Leipzig ist durch denBeschluss des SSV-Vorstandes zunichte gemacht worden. Das ist der Knackpunkt."
Allerdings kam der sächsische Schwimmwart Lothar Matthes in den letzten Tagen zu der Auffassung: "Das war ein seit langem abgekartetes Spiel. Hätten wir die Meisterschaften nicht zurück gegeben, wären sie uns früher oder später weggenommen worden. Wir hätten absolut fehlerfrei arbeiten müssen, um sie zu behalten." Fehlerfrei blieb der SSV nicht, wie Schatzmeister Peter Pohl zugibt: "Unsere Führungsschwäche wurde mehrfach deutlich." Der 61-Jährige ist auch vom DSV über Verzögerungen und Nichtbeantworten von Briefen enttäuscht, was Christa Thiel zurück wies. Pohl gelangte zu dem Urteil: "Wir haben am 8. Oktober etwas zurück gegeben, was wir schon gar nicht mehr richtig hatten."
Jarno Wittig, Vorsitzender des Postschwimmvereins, sprach von einer Mischung aus Wut und Enttäuschung: "Die Begründung akzeptiere ich nicht. Seit Monaten war bekannt, dass in Riesa und Leipzig in kurzer Folge zwei Höhepunkte stattfinden." Bis gestern wurde der Verein nicht offiziell vom DSV informiert, ein Gespräch mit Präsidentin Thiel unter der Woche sei frustrierend gewesen: "Statt sich über unser Engagement zu freuen war ihr Tenor: Warum bewerbt Ihr Euch überhaupt?" Wittig meint: "Es ging hier nicht um eine optimale DM, es ging um Politik." Letztlich hätten neben dem SSV auch die Stadt Leipzig und die Olympia GmbH eine Aktie an der Situation. Beide hätten erst unter öffentlichem Druck richtig gehandelt.
Leipzigs Sport-Bürgermeister Holger Tschense vertrat lange die Meinung, sich gegenüber dem DSV nicht prostituieren zu wollen. Gestern schlug er moderate Töne an: "Die Entscheidung ist nachvollziehbar, man muss auch gönnen können. Das muss für Leipzig keine echter Nachteil sein, während der EM in Riesa werden wir auch einen Leipziger Tag durchführen." Frank Schober © Leipziger Volkszeitung vom Sonntag, 20. Oktober 2002 Sächsischer
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