Goldener Doppelschlag von Rupprath in Riesa
  

Riesa (dpa) - Mit einem goldenen Doppelschlag hat Schwimm-Profi Thomas Rupprath den Kurzbahn-Europameisterschaften schon nach zwei Tagen seinen Stempel aufgedrückt. 23 Stunden nach dem Weltrekord mit der Lagen-Staffel holte sich der Wuppertaler am «Deutschen Tag» in Riesa innerhalb von 24 Minuten die Titel über 100 m Schmetterling und 50 m Rücken.

Die Wuppertalerin Antje Buschschulte schwamm mit deutschem Rekord in 58,60 Sekunden über 100 m Rücken auf den EM-Thron. «Freitag, der 13.» wurde für den Deutschen Schwimm-Verband (DSV) mit drei ersten, zwei zweiten und vier dritten Plätzen zum Glückstag. «Das war der Knaller-Tag, den wir gebraucht haben», meinte Bundestrainer Manfred Thiesmann.

Die gebürtige Südafrikanerin Sarah Poewe holte bei ihrer ersten EM über 200 m Brust für das deutsche Team ihre zweite Silbermedaille. Silber holte auch Stev Theloke (Chemnitz) hinter Rupprath über 50 m Rücken. Bronze gewannen Hannah Stockbauer (Erlangen) über 800 m Freistil, Anne Poleska (Krefeld) als Titelverteidigerin über 200 m Brust und Petra Dallmann (Heidelberg) über 100 m Freistil. Antje Buschschulte, Dorothea Brandt, Petra Dallmann und Janine Pietsch wurden Dritte über 4 x 50 mm Freistil.

Rupprath war nicht zu stoppen, 50,77 leuchteten nach den 100 m Schmetterling für ihn auf. Kommentar: erstmal keiner. Verständlich, denn nur 24 Minuten später musste er wieder ran und begeisterte seine Fans in Sachsen mit Gold über 50 m Rücken in 23,66 Sekunden vor Theloke (24,29). «Zwei Titel in so kurzer Zeit, das ist schon ganz gut», sagte Rupprath, «langsam machen meine Beine auch nicht mehr mit.» Theloke: «Wenn ich neben Thomas stehe, kriege ich panische Angst und schwimme wie ein Amateur.» Und: «Thomas ist auf der kurzen Bahn der Bessere. Aber Konkurrenz belebt das Geschäft.»

Auch die deutschen Power-Frauen begeisterten die 2500 Fans in Riesa. Antje Buschschulte konnte es selbst nicht fassen. «Ich glaube, es war deutscher Rekord», sagte sie nach den 100 m Rücken, «Wahnsinn. Mit dieser Zeit hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht gerechnet.»

Langbahn-Doppelweltmeisterin Hannah Stockbauer war mit Rang 3 überglücklich: «Ich habe einen perfekten Tag erwischt.» Sarah Poewe war einfach happy: «Ich bin so froh, es war super.» Dass 33/100 zum Titel fehlten, störte die gebürtige Südafrikanerin nicht. Und Anne Poleska war zufrieden mit der Tatsache, dass sie ihren nationalen Rekord behielt: «Ich bin froh, dass Sarah mir den nicht genommen hat.» Allerdings fehlten nur 6/100 Sekunden. «Endlich, endlich - meine erste Einzelmedaille», fiel auch Petra Dallmann in den DSV-Jubel ein.

Für Thomas Rupprath war der Freitag ein Parforce-Ritt. Nach dem Staffel-Weltrekord am Vortag wurde ihm durch Mannschaftsarzt Lothar Ulatowski ein Glassplitter entfernt. «Der steckte seit dem Weltcup im November in New York im linken Zehengelenk. Thomas wollte ihn aber erst in Deutschland entfernen lassen», sagte sein Trainer Henning Lambertz. Die operierte Stelle schmerzt, Rupprath humpelt, doch er steckt alle Handicaps weg, auch den «leeren Akku» (Lambertz).

«Weltrekord? Fast unmöglich hier», meinte der Rupprath-Coach, der am Auftakttag 32 Jahre alt wurde. Dafür sei die Saison für Rupprath einfach schon zu lang: Fünf Wochen Dauerstress machen mürbe. Die eigene Weltbestmarke über 100 m Schmetterling will der Profi beim Weltcupfinale Ende Januar in Berlin attackieren und dann auch die 50 000 Dollar für den Gesamt-Weltcupsieg einstreichen. «Das werden wir versuchen, da wird Thomas alles geben», kündigte Lambertz an. In der «erdgas arena» von Riesa warten auf Rupprath aber erst noch die Entscheidungen über 100 m Rücken und 4 x 50 m Freistil.


© LVZ-Online und dpa

letzte aktualisierung: 13.12.2002, 17:16





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