Janas ungeahnter Höhenflug mit schon 28 Lenzen
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Berlin. Franziska van Almsick nahm gestern ihre erwartete Auszeit - dennoch sorgten die deutschen Schwimmer für positive EM-Schlagzeilen. Allen voran trumpfte Jana Henke sensationell auf. Seit 1991 gehört die 28-Jährige zur Weltspitze über 800 m Freistil, war immer vorn mit dabei und 1993 sogar schon einmal Europameisterin. Doch gestern schlug die Sternstunde der Potsdamerin, die eigentlich seit vier Jahren in Berlin wohnt, jedoch täglich zur Arbeit und zum Training in die brandenburgische Landeshauptstadt pendelt. Nicht Weltmeisterin Hannah Stockbauer diktierte den 800-m-Kanten sondern die gebürtige Löbauerin, die zehn Jahre älter ist als der Durchschnitt ihrer gestrigen sieben Kontrahentinnen. Ab 300 Meter übernahm die Labor-Angestellte die Spitze und baute sie kontinuierlich aus. Die eigentliche Sensation war die Zeit: Jahrelang "dümpelte" sie bei "ihrer" 8:30 bis 8:31, gestern stoppte die Uhr bei 8:23,83 Minuten - Rang sieben der ewigen Weltbestenliste.

"Ich kann das selbst nicht fassen, erst recht nicht erklären", sagte die Europameisterin. Auch die bronzene Hannah Stockbauer konnte nur Staunen: "Sonst schwimmen wir immer zusammen und die letzten 50 Meter sind meine. Jana hat mich total überrascht, sie ist ein Wahnsinns-Rennen geschwommen Bei mir lief es nicht so richtig, am Ende habe ich mich etwas aufgegeben." Die neue Titelträgerin war eine Sekunde schneller als die Erlangerin bei ihrem WM-Triumph in Fukuoka.

Bei solchen Steigerungsraten im höheren Sportler-Alter werden viele hellhörig bis skeptisch. Deshalb war es gut, dass Jana Henke doch noch eine Erklärung versuchte: "Ich habe zehn Kilo abgenommen, bin gesund geblieben und konnte meine Trainingsleistungen steigern." Der Grund für ihren Gewichtsverlust war weniger angenehm: "Privater Stress." Übersetzt heißt das: Trennung von ihrem langjährigen Freund. Auch im Wettkampf gab es einen Unterschied: Sie schwamm nicht so zurückhaltend und gelähmt wie sonst.

Das 800-m-Rennen drängte das deutsch-deutsche Rücken-Duell der Herren in den Hintergrund. Über 52 m hätte Stev Theloke gewonnen. Der Chemnitzer kam förmlich herangeflogen. Doch die Bahn war "zu kurz", nach 50 m hatte "Blitzstarter" Thomas Rupprath um sieben Hundertstel die Nase vorn. Theloke wollte eigentlich, dass beide zeitgleich Gold abräumen: "An mir lag es nicht... Thomas hat den Fehler gemacht, er war zu schnell." Auf die bedeutenderen, weil olympischen 200 m Schmetterling hatte der Sieger gestern verzichtet. Der 25-Jährige fühlte sich in seiner Entscheidung bestätigt und freute sich nach acht Kurzbahn-Titeln über seinen ersten internationalen Einzelsieg auf der langen Bahn.

Heute naht das nächste Duell: Über 50 m Brust hatte im Halbfinale der Riesaer Jens Kruppa sensationell vor Mark Warnecke die Nase vorn. Und auch der Leipziger Stefan Herbst freute sich gestern über seinen Finaleinzug über 200 m Freistil in persönlicher Bestzeit (1:49,20 min). Auch den Platz in der abschließenden Lagenstaffel am Sonntag kann ihm keiner mehr nehmen.

Frank Schober





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