Beckmann: "Mannschaft verdient Respekt"
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Nach Ende der Europameisterschaften hat der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) allen Grund, ein positives Fazit der "Festpiele" von Berlin zu ziehen. Entsprechend fällt die Einschätzung der Mannschaftsleistung bei den Titelkämpfen von Ralf Beckmann, DSV-Cheftrainer und Sportdirektor, aus.

Frage:"Ralf Beckmann, welches Fazit ziehen Sie nach den Europameisterschaften in Berlin?"

Ralf Beckmann:"Berlin war eine absolut herausragende EM, und daran hat die Mannschaft den größten Anteil. Noch niemals zuvor gab es eine solche Medienpräsenz für unsere Sportart, niemals zuvor waren die Schwimmer häufiger im Fernsehen als bei der EM in Berlin. Die Leistung der Mannschaft verdient allerhöchsten Respekt, sie hat erstklassige Qualität abgeliefert. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich diese Mannschaft führen darf, wir haben zwölf Jahre nach dem Mauerfall in Berlin deutsche Einheit demonstriert, das war für mich in einigen Momenten fast ergreifend."

Frage:"Fast jeder Athlet macht Sie für die Positiventwicklung verantwortlich. Fühlen Sie sich bestätigt?"

Beckmann:"Den hohen Erwartungsdruck habe ich sehr bewusst selbst erzeugt. Nach der Qualifikation in Warendorf 24 Medaillen in Aussicht zu stellen, war ein Risiko, das ich sehr bewusst eingegangen bin, es war aber eben auch eine Chance. Ich wollte auf dem Weg nach Barcelona 2003 und Athen 2004 sehen, ob es funktioniert. Und es hat funktioniert."

Frage:"Wieder waren die Staffeln die Grundlage des Erfolges. Hat Sie das überrascht?"

Beckmann:"Keineswegs. Die Staffeln haben in Deutschland auch zu meiner Zeit schon eine herausragende Rolle gespielt. Daran hat sich nichts geändert. Die Staffeln von Berlin waren ein 100-Prozent-Erfolg. Sie haben uns in die Europameisterschaften hineingetragen. Die Erfolge kommentieren sich selbst. Bundestrainer Manfred Thiesmann hat daran maßgeblichen Anteil."

Frage:"Wer trägt den größten Anteil am Erfolg, die Bundes- oder die Heimtrainer?"

Beckmann:"Den Hauptanteil tragen die Heimtrainer. 35 Schwimmer der Nationalmannschaft werden von insgesamt 25 Trainern betreut. Da eine mannschaftliche Geschlossenheit zu erreichen, ist nicht einfach, aber in Berlin hat das funktioniert. Und hier war das wesentlich schwieriger als fernab der Heimat bei der WM 2001 in Fukuoka."

Frage:"Haben Sie ein Erfolgsprinzip?"

Beckmann:"Das funktioniert bei mir nach dem Prinzip A-O-L. A für Auftritt, der stark sein muss. O für Outfit, für Produkttreue unserem Sponsor gegenüber, und L für Leistung. Ohne Leistung ist alles nichts, nur darüber ist alles andere zu transportieren."

Frage:"Die Leistung von Franziska van Almsick ist beeindruckend. Haben Sie eine Erklärung für dieses Phänomen, für diese unglaubliche Erfolgsgeschichte?"

Beckmann:"Der Weltrekord stand seit 1994, seit langer Zeit. Ich habe, ehrlich gesagt, nicht damit gerechnet, dass Franziska ihn hier verbessert. Die Leistung von ihr verdient größten Respekt. Franziska hat sehr viel durchgemacht, aber daran ist sie gewachsen, sie ist entscheidungssouveräner geworden. Ich habe darauf gewettet, dass sie zurückkommt. Eine so großartige Schwimmerin wie sie kommt immer zurück."

Frage:"Ist ein derart phänomenaler Weltrekord nicht ein Grund, die Karriere für beendet zu erklären?"

Beckmann:"Das kann nur sie selbst entscheiden. Aber wenn sie jetzt aufhört, wird sie sich ein Leben lang den Vorwurf machen müssen, den erneuten Anlauf auf olympisches Gold nicht zumindest noch einmal versucht zu haben. Ich bin davon überzeugt, dass sie nicht aufhört. Ich würde sogar darauf wetten, aber die Entscheidung trifft nur sie selbst. Die Mannschaft wartet darauf, dass sie weitermacht. Einzelgold bei Olympia verschenkt man nicht, nicht so eine wie Franziska van Almsick."

(sid)





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