Schwimm-EM: Ein großer Kämpfer nimmt Abschied - Hoffmanns Traum geplatzt - Völker und Buschulte holen Medaillen - Weltrekord durch Lisogor
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Berlin. Jörg Hoffmann gehört im deutschen Schwimmteam zu den eigenwilligen Typen. Doch auf Grund seiner außergewöhnlichen Erfolgsserie begegnen ihm die in der Regel weitaus jüngeren Gefährten mit viel Respekt. Am Freitag wollte der 32-Jährige, der schon bei den Olympischen Spielen 1988 am Start war, bei den Europameisterschaften in Berlin seine lange Karriere mit nochmaligem Gold krönen. Von 1989 bis 1995 erkämpfte der Potsdamer über 1500 m Freistil viermal in Folge der Titel - dieses Kunststück gelang bisher noch keinem anderen Athleten.

Nun sollte nach 1995 der nächste folgen, jedenfalls standen die Vorzeichen nach dem äußerst gelungenen Vorlauf gut. Doch dann konnte der Routinier nur bis 1000 m mithalten, dann musste er gleich vier jüngere Kontrahenten ziehen lassen. „Es war wohl mein letzter langer Kanten, ein Motivationsschub zum Aufhören“, winkte der studierte Forstwirt enttäuscht ab. Aller Voraussicht nach wird die Kurzbahn-EM in Riesa sein definitiv letzter Auftritt im Wettkampfbecken sein.

Eigentlich hatte Jörg Hoffmann, der im Sommer auf einem Hausboot lebt, schon nach der verpassten Olympia-Qualifikation für Sydney 2000 aufgehört. Aus Jux sprang er jedoch ab und an weiter ins Wasser. Als er dann sogar beim Freiwasser-Weltcup 2001 vor seiner Haustür über 5 km überraschend Zweiter wurde, leckte er wieder Blut. Er meldete sich international eindrucksvoll mit Gold und Silber bei der Kurzbahn-EM zurück und spürte, „dass es den anderen schon auf den Geist geht, dass ich wieder schwimme.“ Hochmotiviert und von Freundin Elka - ihrer sieben Monate alten Tochter gaben sie den Namen Lutea - bestens unterstützt, nahm der zweifache Weltmeister von 1991 nochmals das Topereignis des Jahres in Angriff. Leider blieb ihm das Happyend versagt.

Gleichfalls als Fünfter schlug auch Jens Kruppa über 50 m Brust an. Der Riesaer hatte zwar im Halbfinale überraschend die beste Zeit vorgelegt, doch auch bei Wiederholung dieser Leistung wäre nur Rang vier rausgesprungen. Immerhin schwamm der Weltmeister Oleg Lisogor (Ukraine) mit 27,18 Sekunden einen neuen Weltrekord. „Ich bin zufrieden, die Sache ist okay. Vorher hätte ich nie mit diesem Ergebnis gerechnet. Und an meine Bestzeit bin ich auch wieder ganz nah herangekommen“, resümierte der 26-jährige Kruppa.

Mit Silber und Bronze durch Sandra Völker und Antje Buschschulte über 100 m Rücken gab es am Freitag zwei weitere Medaillen für die Gastgeber. Der Niederländer Pieter van den Hoogenband stellte in der Europarekordzeit von 1:44,89 Minuten über 200 m Freistil seine Ausnahmestellung unter Beweis.

Wie erwartet kann indes Stev Theloke in die heutige Entscheidung über 200 m Rücken nicht eingreifen. Der Chemnitzer schied im Vorlauf aus, nahm die Sache aber weniger tragisch. „Ich wollte mich nicht einfach so abmelden, sondern es probieren. Aber es ging brutal schwer. Mit den Zwischenläufen kann man nicht mehr auf allen drei Strecken gleichzeitig spitze sein“, meinte „Theo“, dem die Pause mit Blick auf die morgige Lagenstaffel nun ganz gelegen kommt.

Von Martina Martin





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