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Berlin. Am letzten Tag der Europameisterschaften strahlte endlich
auch Annett Gamm. Gold im Synchronspringen vom Zehnmeter-Turm für die
Dresdnerin, die mit der Berlinerin Ditte Kotzian mit 309,78 zugleich
eine neue Bestpunktzahl erreichte. „Ich bin superglücklich, freue mich
total. Nach meinem Durchhänger am Dienstag hat es Ditte verstanden,
mich wieder aufzubauen“, erzählte Annett Gamm, die fünf Tage zuvor nach
der Einzel-Entscheidung vom Turm als enttäuschende Zehnte nur ein Häufchen
Unglück war.
„Mein Papa hatte am Dienstag Geburtstag, und ich wollte ihm eigentlich
eine Medaille schenken. Jetzt kann ich sie ihm nachreichen“, sagte die
25-jährige Arzthelferin, die zur Zeit der Bundeswehr angehört. Ditte
Kotzian, mit zwei Gold- und einer Silbermedaille erfolgreichste Wasserspringerin
dieser Titelkämpfe, hat offenbar die richtigen Worte gefunden, um bei
ihrer Freundin und Synchronpartnerin wieder Vertrauen in die eigene
Leistungsfähigkeit zu wecken. Die 23-jährige Studentin (Sport/Englisch),
die zuweilen auch als DJ in Bars und Cafés Platten auflegt, hat viel
mit Annett gesprochen, „aber nicht übers Springen“, wie sie betonte.
„Ich habe in den letzten Tagen versucht, die Stimmungskanone zu machen“,
meinte Ditte. Es hat geholfen. Annett Gamm, die eingestand „wahnsinnige
Angst vor dem erneuten Versagen hatte“, war schließlich am Tag der Entscheidung
optimistischer als ihre Mutmacherin. „Ditte war nicht begeistert, dass
wir die Startnummer eins hatten. Aber für mich war das ein gutes Omen.
Deshalb habe ich gesagt: Die Eins geben wir nicht mehr her“, erklärte
Annett Gamm.
Die Zuversicht seines Schützlings wollte Trainer Frank Taubert unmittelbar
vor dem Finale nicht so recht teilen. „Beide sahen beim Einspringen
nicht gut aus. Da dachte ich schon, es geht heute nichts“, so der Dresdner
Erfolgscoach. Doch dann sei alles ein Selbstläufer geworden. „Es ist
wie ein Märchen“, meinte Taubert, für den der Tag mit seinem Berliner
Kollegen Jan Kretzschmar mit einem synchronähnlichen Erlebnis endete:
Nach der Siegerehrung flogen beide Trainer in den Berliner Sprungpool,
allerdings nur vom Beckenrand. (SZ/uw)
Sächsische
Zeitung - Montag, 5. August 2002
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